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GEBET

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4 Rosenkränze | s/w Fotografie| 1998 | Phonokalligrafie | Tusche auf Papier | 54 x 40 cm | 1999

Rosenkränze

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4 Rosenkränze | s/w Fotografie| 1998 | Phonokalligrafie | Tusche auf Papier | 54 x 40 cm | 1999

Porträts von vier Religionen

Vier Fotografien zeigen von links nach rechts Gebetsketten des Buddhismus, Islam, des katholischen und orthodoxen Christentums. In der Anzahl und Anordnung der einzelnen Perlen unterscheiden sich diese täglichen Begleiter eines Gläubigen. Gemeinsam ist ihnen eine festgelegte rhythmische Abfolge für Gebetsformeln, die durch die Berührung einzelner Perlen aufgerufen und meist im Alleinsein vor sich hin oder in sich hineingesprochen werden.
Vier Fotografien zeigen von links nach rechts Gebetsketten des Buddhismus, Islam, des katholischen und orthodoxen Christentums. In der Anzahl und Anordnung der einzelnen Perlen unterscheiden sich diese täglichen Begleiter eines Gläubigen.
Gemeinsam ist ihnen eine festgelegte rhythmische Abfolge für Gebetsformeln, die durch die Berührung einzelner Perlen aufgerufen und meist im Alleinsein vor sich hin oder in sich hineingesprochen werden.
Die Arbeit führt uns zur rituellen Praxis des Gebets. Die akustischen, in der Regel kaum wahrnehmbaren Äußerungen hat Sigrun Drapatz gesprochen und mit einem Tonträger aufgenommen. Als Frequenzaufzeichnung sind sie die Grundlagen für die Zeichnungen der vier Gebete. Die Notation bringen Worte und Rhythmus, die in den Gebetsketten verschlüsselt sind, visuell zum Erklingen.
(Text nach Natalia Raben zur Ausstellung Narratives Schweigen, Saalbau Berlin 2020)

über den Daumen rollt die Form
formuliert Inhalt,
Inhalt ist Form
über den Daumen rollt die Form
formuliert Inhalt,
Inhalt ist Form

Daumenrolle

Eine kleine Andachtsrolle, über den Daumen rollend, kann sie den Betenden bei seiner Meditation begleiten

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Daumenrolle | Transparentpapier, Holz | 9 cm hoch | 1998

Daumenrolle

Eine kleine Andachtsrolle, über den Daumen rollend, kann sie den Betenden bei seiner Meditation begleiten


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Fensterinstallation im Erker des Burgklosters zu Lübeck | Tusche auf Folie | 5 Teile, je 21 x 135 cm | 2003

Rosenkranzmeditation

Die Installation ist ein Gebet für die Gefangenen, die im Burgkloster zu Lübeck inhaftiert waren. Ab 1893 wurden Teile des Burgklosters zu Lübeck in ein Gerichtsgebäude mit Untersuchungsgefängnis umgebaut. Typisch für diese Zeit waren Einzelspazierhofanlagen, in denen der Freigang der Gefangenen in separaten Hofabschnitten stattfand. Von dem runden Erker im Obergeschoss konnte ein Wärter die Häftlinge überwachen. An dieser Stelle hat Sigrun Drapatz ihre Rosenkranzmeditation installiert. Während des Nationalsozialismus wurden hier Regimegegner gefangen gehalten und verurteilt. Das Burgkloster diente bis 1962 als Gerichtsgebäude.

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Oben: auf dem Dach in der Stargarder Str. | Rosenkohl, Weißkohl, Papier | Foto: Elke Drapatz
Unten: Kranzniederlegung in der „Neuen Wache“ | Rosenkohl, Weißkohl, Papier | Berlin |1994

Rosenkohlkranz

Beim Gebet auf dem Dach

Das Foto zeigt Sigrun Drapatz auf dem Dach ihres Hauses in Berlin. Sie sitzt dort auf einem Stuhl beim Gebet über einem Kohl-Rosenkranz. Das Gebet ist der Beginn ihrer Performance zur Neugestaltung der „Neuen Wache“ in Berlin als Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für „die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ durch Kanzler Helmut Kohl, 1993.

Kranzniederlegung zu Füßen der Pieta in der Neuen Wache Berlin | 1994

Nach der Wiedervereinigung bestimmte Bundeskanzler Helmut Kohl in einem einfachen Verwaltungsakt ohne Ausschreibung, die Replik einer Pieta von Käthe Kollwitz zum Zentrum der nationalen Gedenkstätte in der „Neuen Wache“ in Berlin zu machen. Im Original ist die 1937 entstandene Skulptur nur 38 cm groß. Die Skulptur wurde um ein Vierfaches vergrößert und mit der Inschrift „Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“ auf dem Sockel versehen.

Beim Gebet auf dem Dach

Das Foto zeigt Sigrun Drapatz auf dem Dach ihres Hauses in Berlin. Sie sitzt dort auf einem Stuhl beim Gebet über einem Kohl-Rosenkranz. Das Gebet ist der Beginn ihrer Performance zur Neugestaltung der „Neuen Wache“ in Berlin als Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für „die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ durch Kanzler Helmut Kohl, 1993.

Kranzniederlegung zu Füßen der Pieta in der Neuen Wache Berlin | 1994

Nach der Wiedervereinigung bestimmte Bundeskanzler Helmut Kohl in einem einfachen Verwaltungsakt ohne Ausschreibung, die Replik einer Pieta von Käthe Kollwitz zum Zentrum der nationalen Gedenkstätte in der „Neuen Wache“ in Berlin zu machen. Im Original ist die 1937 entstandene Skulptur nur 38 cm groß. Die Skulptur wurde um ein Vierfaches vergrößert und mit der Inschrift „Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“ auf dem Sockel versehen. Die trauernde Muttergottes mit ihrem ermordeten Sohn ist ein tief in der christlichen Tradition verankertes Symbol, das an dieser Stelle mehr als fragwürdig ist. Nur auf Drängen des Zentralrats der Juden wurde zusätzlich am Eingang der Neuen Wache eine Metallplatte angebracht, auf der die einzelnen Opfergruppen aufgezählt werden. Auf einer weiteren Platte ist die Geschichte der Neuen Wache zu lesen. 1816 im Auftrag Friedrich Wilhelms III gebaut, diente das Gebäude bis zum Ende der Monarchie im Jahre 1918 als Haupt- und Königswache. 1930–31 wurde das Gebäude mit einem kreisrunden Oberlicht versehen und als Ehrenmal den Gefallenen des Ersten Weltkrieges gewidmet. Unter den Nationalsozialisten wurde das „Ehrenmal“ zur Verherrlichung von Krieg und Soldatentum genutzt. Nach Kriegszerstörungen im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude 1957–60 durch die DDR-Regierung als „Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus“ wieder aufgebaut.